Geschäftsprozesse zu automatisieren beginnt nicht mit der Frage nach einem Tool, sondern mit der Auswahl eines geeigneten Ablaufs. Besonders erfolgreich sind Vorhaben, bei denen ein klarer Auslöser, wiederkehrende Regeln, digitale Daten und ein messbares Ergebnis zusammenkommen. Der folgende Überblick zeigt, welche Prozessarten sich typischerweise eignen – und welche zunächst vereinfacht oder standardisiert werden sollten.
Woran ihr einen geeigneten Geschäftsprozess erkennt
Wiederholbar
Regelbasiert
Digital anschließbar
Messbar
Stabil genug
Relevanter Engpass
Faustregel: Nicht jede manuelle Aufgabe ist ein guter Kandidat
Eine Aufgabe kann technisch automatisierbar sein und sich wirtschaftlich trotzdem nicht lohnen. Seltene Vorgänge mit vielen Sonderfällen oder hohem Integrationsrisiko bleiben häufig bewusst manuell. Entscheidend ist das Verhältnis aus Nutzen, Aufwand und Risiko.
Diese Geschäftsprozesse lassen sich häufig gut automatisieren
Finanzen und Rechnungswesen
Vertrieb und CRM
Personalwesen
Kundenservice und Support
Freigaben und interne Services
Daten- und Dokumentenprozesse
Gute Kandidaten und Warnsignale im direkten Vergleich
Guter Kandidat
- klarer Start und definiertes Ergebnis
- hohe Wiederholung oder relevante Wartezeit
- wenige, bekannte Ausnahmen
- digitale Daten und erreichbare Systeme
- messbarer fachlicher Nutzen
Erst Prozess klären
- jeder Bereich arbeitet anders
- Entscheidungen beruhen auf nicht dokumentiertem Erfahrungswissen
- Verantwortlichkeiten wechseln von Fall zu Fall
- Daten fehlen oder liegen nur unstrukturiert vor
- der Ablauf wird gerade grundlegend verändert
Bewusst manuell lassen
- sehr seltene Einzelfälle
- hohes Schadenspotenzial bei Fehlentscheidungen
- starke Verhandlung, Empathie oder kreative Bewertung
- Automatisierungskosten übersteigen den erwarteten Nutzen
- rechtliche oder fachliche Entscheidung braucht zwingend Freigabe
In 4 Schritten zum ersten Pilotprozess
Engpass und Ziel festlegen
Beschreibt nicht nur die Aufgabe, sondern das Problem: zu lange Bearbeitungszeit, zu viele Fehler, fehlende Transparenz oder unnötige Systemwechsel. Legt eine Kennzahl fest, an der der Pilot bewertet wird.
Ist-Prozess vereinfachen
Entfernt unnötige Schritte, vereinheitlicht Eingaben und klärt Rollen. Automatisierung sollte keinen historisch gewachsenen Umweg dauerhaft festschreiben.
Kernfall und Ausnahmen trennen
Automatisiert zunächst den häufigsten, gut verstandenen Fall. Seltene Varianten werden mit Kontext an Mitarbeitende übergeben, statt in immer komplexeren Regeln versteckt zu werden.
Betrieb und Verbesserung planen
Definiert Monitoring, Verantwortliche, Fehlerbehandlung und Änderungsprozesse. Nach dem Go-live werden Kennzahlen und Ausnahmen ausgewertet, bevor weitere Abläufe folgen.
Welche Technik passt zu welchem Prozess?
Klassische Regeln
Workflow-Plattform
KI-Komponente
Menschliche Entscheidung
Von der Übersicht zur konkreten Bewertung
Sucht ihr zunächst im gesamten Unternehmen nach Kandidaten, hilft die 3-Schritt-Methode für Automatisierungspotenziale. Einen bereits benannten Ablauf könnt ihr anschließend mit der 5-Punkte-Formel detaillierter prüfen.
Fazit: Mit einem klaren Prozess statt einer großen Vision starten
Geschäftsprozesse zu automatisieren lohnt sich besonders dort, wo wiederkehrende Arbeit, digitale Daten und klare Regeln auf einen spürbaren Engpass treffen. Wählt einen überschaubaren Pilotprozess, trennt Standardfälle von Ausnahmen und messt den Nutzen. Ein stabiler erster Workflow schafft mehr Vertrauen als ein zu großes Transformationsprojekt ohne sichtbares Ergebnis.
FAQ – Häufige Fragen
Welcher Geschäftsprozess sollte zuerst automatisiert werden?
Ein häufig auftretender, gut verstandener Ablauf mit hohem manuellem Aufwand und überschaubaren Ausnahmen ist meist der beste Einstieg.
Muss der Prozess vollständig digital sein?
Nicht vollständig, aber die relevanten Eingaben und Ergebnisse müssen digital verfügbar oder zuverlässig digitalisierbar sein. Medienbrüche erhöhen Aufwand und Fehleranfälligkeit.
Wie groß sollte ein Pilotprojekt sein?
Der Pilot sollte einen vollständigen fachlichen Nutzen zeigen, aber auf einen klaren Kernfall begrenzt bleiben. Ein einzelner Übergabeschritt kann sinnvoller sein als die sofortige Automatisierung einer ganzen Abteilung.
Braucht jede Prozessautomatisierung KI?
Nein. Viele stabile Automatisierungen basieren ausschließlich auf Regeln, Schnittstellen und Freigaben. KI wird nur dort ergänzt, wo Inhalte interpretiert werden müssen.
Welcher Prozess eignet sich bei euch wirklich?
Wir analysieren gemeinsam einen konkreten Ablauf, bewerten Nutzen, Risiken und Integrationsaufwand und schneiden daraus einen realistischen Pilotprozess.
Zu konkreten Beispielen: E-Mails automatisch verarbeiten und CRM und Buchhaltung verbinden.

