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Blogbeitrag

Erfolgreiche Prozessautomatisierung: Der Faktor Mensch

Der „perfekte“ Prozessowner ist nicht automatisch die ranghöchste oder technisch versierteste Person. Für eine erfolgreiche Automatisierung braucht ihr Menschen, die den Ablauf wirklich erleben, Probleme offen benennen und Veränderungen aktiv vorantreiben. Dieser Beitrag zeigt, wie ihr geeignete Personen auswählt und ein arbeitsfähiges Kernteam zusammenstellt.

Nicht den Dienstältesten wählen – sondern den wirksamsten Mitgestalter

In Automatisierungsprojekten werden Rollen häufig nach Organigramm vergeben: Die Abteilungsleitung wird Prozessowner, die IT übernimmt die Umsetzung und einige Mitarbeitende werden gelegentlich um Feedback gebeten. Das klingt geordnet, führt aber oft an der Realität vorbei. Entscheidend ist nicht der Titel, sondern ob eine Person den Prozess erklären, Entscheidungen vorbereiten und andere für eine bessere Lösung gewinnen kann.

Fünf Signale für den richtigen Prozessowner

1

Sucht die konstruktiv Genervten

Geeignete Personen wissen genau, wo Zeit verloren geht. Sie beklagen Probleme nicht nur, sondern können konkrete Ursachen und Verbesserungsideen benennen.
2

Sucht die Macher

Sie warten nicht auf perfekte Rahmenbedingungen, sondern bringen Themen voran, verfolgen offene Punkte und übernehmen Verantwortung für Ergebnisse.
3

Sucht Übersetzer

Sie verstehen den Fachprozess und können ihn so beschreiben, dass auch technische Beteiligte Regeln, Abhängigkeiten und Ausnahmen nachvollziehen können.
4

Holt die operative Perspektive ins Team

Wer den Ablauf täglich ausführt, kennt Medienbrüche, Sonderfälle und informelle Umgehungslösungen, die in Prozessdokumentationen oft fehlen.
5

Gebt der Rolle echte Zeit

Ein Prozessowner, der das Projekt ausschließlich „nebenbei“ betreuen soll, wird zum Engpass. Verantwortung braucht verfügbare Zeit und Priorität.

Warnsignale bei der Besetzung

Beteiligung nur auf Anweisung

Wer Veränderungen grundsätzlich ablehnt oder nur widerwillig teilnimmt, wird kaum als glaubwürdiger Multiplikator wirken.

Nur Management, keine Praxis

Strategische Sicht ist wichtig, ersetzt aber nicht das Wissen über tägliche Arbeitsschritte und tatsächliche Ausnahmen.

Nur IT, kein Fachbereich

Technische Teams können einen Workflow umsetzen, aber ohne fachliche Verantwortung nicht beurteilen, ob er im Alltag richtig entscheidet.

Zu viele Beteiligte

Große Arbeitsgruppen verwässern Entscheidungen. Für einen Pilotprozess sind zwei bis vier aktiv arbeitende Personen meist wirksamer.

Das ideale Kernteam für einen Pilotprozess

1

Der Genervte

Kennt den Prozess in- und auswendig, benennt Reibungspunkte und liefert reale Beispiele für Fehler, Wartezeiten und Umwege.

2

Der Macher

Hält das Projekt in Bewegung, verfolgt Entscheidungen und sorgt dafür, dass vereinbarte Tests tatsächlich stattfinden.

3

Der Übersetzer

Verbindet Fachsprache und technische Logik. Diese Rolle kann mit dem Prozessowner oder dem Umsetzer zusammenfallen.

4

Der Sponsor

Schafft Rückendeckung, schützt die eingeplante Zeit und entscheidet bei organisatorischen Hindernissen.

Ein kurzer Auswahl-Workshop statt Bauchgefühl

Bevor ihr die Rolle fest vergebt, besprecht einen konkreten Prozessfall mit zwei oder drei möglichen Kandidaten. Die folgende Mini-Prüfung zeigt schnell, wer für die Aufgabe geeignet ist:

Fünf Fragen für die Auswahl

  • Kann die Person einen Standardfall und mindestens drei typische Ausnahmen beschreiben?
  • Kann sie erklären, welche Entscheidung heute von wem getroffen wird?
  • Benennt sie konkrete Ursachen statt nur allgemeiner Unzufriedenheit?
  • Kann sie zwischen notwendiger Kontrolle und historisch gewachsener Gewohnheit unterscheiden?
  • Ist sie bereit, Testergebnisse anzunehmen und Regeln nachvollziehbar anzupassen?

Klare Abgrenzung zum Rollenprofil

Hier steht die Auswahl geeigneter Menschen und des Projektteams im Mittelpunkt. Welche Verantwortung ein Prozessowner während Konzeption, Test, Betrieb und Weiterentwicklung trägt, lest ihr im Beitrag „Prozessverantwortlicher: wichtigste Rolle bei Automatisierung“.

So verhindert ihr, dass das Projekt zur Nebenaufgabe wird

Zeit fest einplanen

Reserviert verbindliche Termine für Prozessaufnahme, Entscheidungen, Tests und Rückmeldungen.

Entscheidungswege verkürzen

Legt fest, welche fachlichen Fragen das Kernteam selbst entscheiden darf und wann eine Eskalation nötig ist.

Erfolg sichtbar machen

Messt konkrete Verbesserungen wie Durchlaufzeit, Fehlerquote oder eingesparte manuelle Schritte.

Fazit: Die richtigen Menschen machen Technik wirksam

Ein erfolgreicher Prozessowner wird nicht allein durch Position oder Fachwissen bestimmt. Entscheidend sind Nähe zum Alltag, konstruktiver Veränderungswille, klare Kommunikation und ausreichend Zeit. Mit einem kleinen, handlungsfähigen Kernteam vermeidet ihr endlose Abstimmungen und schafft eine Lösung, die von den späteren Nutzern verstanden und getragen wird.

FAQ – Häufige Fragen zu Auswahl eines Prozessowners

Sollte der Prozessowner immer aus dem Fachbereich kommen?

Meistens ja, weil dort das notwendige Detailwissen liegt. Wichtig ist jedoch vor allem die Nähe zum Prozess – nicht die formale Abteilungszuordnung.

Wie viele Personen braucht ein Automatisierungsprojekt?

Für einen klar begrenzten Pilotprozess reichen häufig zwei bis vier aktive Kernteammitglieder. Weitere Experten können punktuell eingebunden werden.

Was tun, wenn niemand Zeit für die Rolle hat?

Dann fehlt dem Projekt eine wichtige Voraussetzung. Die Rolle sollte priorisiert und mit einem realistischen Zeitbudget ausgestattet werden, bevor die technische Umsetzung beginnt.

Kann eine Person mehrere Rollen übernehmen?

Ja. In kleinen Teams kann der Prozessowner zugleich Übersetzer oder Macher sein. Fachliche Verantwortung und technische Umsetzung sollten trotzdem nachvollziehbar getrennt bleiben.

Das passende Kernteam für euren Pilotprozess finden

Wir strukturieren gemeinsam euren Prozess, identifizieren die benötigten Rollen und schaffen eine klare Grundlage für Entscheidungen, Tests und die spätere Umsetzung.

Projektteam sinnvoll aufstellen

Mehr zu unseren Leistungen: Digitalisierung, Automatisierung und KI-Integration