Links überspringen

Blogbeitrag

Automatisierungspotenziale erkennen: 5 klare Kriterien

Automatisierungspotenziale erkennen heißt, einen konkreten Prozess nüchtern auf seine Eignung zu prüfen. Nicht jede Routine ist automatisch ein guter Kandidat. Besonders interessant sind Abläufe, die häufig auftreten, klaren Regeln folgen, auf digitalen Daten basieren und über längere Zeit stabil bleiben. Die folgende 5-Punkte-Formel dient als schneller Automatisierungs-Radar.

Der Automatisierungs-Radar: Fünf klare Anzeichen

1

Hohe Wiederholungsrate

Der Vorgang tritt täglich, wöchentlich oder in größerer Stückzahl auf. Dadurch entsteht ein messbarer Nutzen, selbst wenn pro Vorgang nur wenige Minuten eingespart werden.
2

Klare Regeln statt Bauchgefühl

Entscheidungen lassen sich in Bedingungen, Grenzwerte und bekannte Ausnahmen übersetzen. Aufgaben mit viel Empathie, Verhandlung oder kreativer Bewertung sind weniger geeignet.
3

Digitale und zugängliche Daten

Die nötigen Informationen liegen in E-Mails, Formularen, Tabellen oder Fachsystemen vor und können über Schnittstellen oder kontrollierte Exporte verarbeitet werden.
4

Viele manuelle Systemwechsel

Mitarbeitende kopieren Daten zwischen Postfach, Excel, CRM, ERP oder Buchhaltung. Solche Übergaben kosten Zeit und erzeugen häufig Tippfehler oder Dubletten.
5

Stabiler und verstandener Ablauf

Der Prozess ändert sich nicht jede Woche. Standardfälle, Verantwortlichkeiten und wichtige Ausnahmen sind bekannt und können getestet werden.

Faustregel für die Erstbewertung

Erfüllt ein Prozess mindestens drei der fünf Kriterien, lohnt sich eine genauere Analyse. Für eine Investitionsentscheidung müssen anschließend Nutzen, Integrationsaufwand, Risiken und Betriebskosten betrachtet werden.

Der 10-Minuten-Schnelltest

1

Einen einzelnen Prozess benennen

Nicht „Vertrieb verbessern“, sondern zum Beispiel „Website-Anfrage im CRM anlegen und zuständigem Vertriebsteam zuordnen“.

2

Fünf Kriterien mit 0 bis 2 Punkten bewerten

0 = trifft nicht zu, 1 = teilweise, 2 = trifft klar zu. Maximal sind zehn Punkte möglich.

3

Ausnahmen und Risiken notieren

Welche Fälle benötigen menschliche Entscheidung? Welche Daten sind sensibel? Was passiert bei fehlenden oder widersprüchlichen Angaben?

4

Ergebnis einordnen

8–10 Punkte: starker Kandidat. 5–7 Punkte: genauer analysieren oder Prozess vorbereiten. 0–4 Punkte: zunächst vereinfachen, digitalisieren oder bewusst manuell lassen.

Beispiel: Leads aus dem Kontaktformular ins CRM

Wiederholung: 2 Punkte

Mehrere Anfragen pro Tag werden nach demselben Grundmuster verarbeitet.

Regeln: 2 Punkte

Pflichtfelder, Regionen, Produktinteressen und Zuständigkeiten lassen sich klar zuordnen.

Digitale Daten: 2 Punkte

Die Informationen entstehen bereits in einem Webformular.

Systemwechsel: 2 Punkte

Daten werden heute manuell aus E-Mail oder Backend in das CRM kopiert.

Stabilität: 1 Punkt

Der Standardfall ist stabil, einzelne unvollständige oder doppelte Anfragen benötigen aber eine Ausnahmebehandlung.

Gesamt: 9 von 10 Punkten

Der Prozess ist ein sehr guter Kandidat. Vor der Umsetzung werden Dublettenprüfung, Datenschutz und Fehlerbenachrichtigung definiert.

Typische Fehlinterpretationen

„Digital“ allein genügt nicht

Ein Prozess kann vollständig in Software stattfinden und trotzdem ungeeignet sein – etwa wenn Regeln ständig wechseln, jede Entscheidung individuell ist oder die nötigen Systeme keine verlässliche Übergabe erlauben.

Viele Ausnahmen werden unterschätzt

Eine Automatisierung muss nicht jeden Sonderfall lösen. Sie braucht aber einen sicheren Übergabepunkt, damit unklare Fälle sichtbar bei Menschen landen.

Zeitersparnis wird überschätzt

Nicht jede theoretisch eingesparte Minute wird im Alltag frei. Wartezeiten, Kontrollen und Pflege müssen realistisch berücksichtigt werden.

Fehlerbehandlung fehlt

Ein Workflow ist erst vollständig, wenn Wiederanlauf, Benachrichtigung, Protokollierung und Dublettenschutz vorgesehen sind.

Der Prozess bleibt unverändert

Schlechte oder unnötige Schritte sollten vor der technischen Umsetzung gestrichen werden. Automatisierung beschleunigt sonst nur den bestehenden Umweg.

Was nach dem Schnelltest folgt

Vom Kandidaten zum Pilotprojekt

  • Ist-Prozess und gewünschtes Ergebnis klar abgrenzen.
  • Vorgangsmengen, Bearbeitungszeiten und Fehlerquote erfassen.
  • Schnittstellen, Datenformate und Berechtigungen prüfen.
  • Standardfälle und Ausnahmen gemeinsam mit dem Fachbereich dokumentieren.
  • Kleinen Pilot mit messbaren Erfolgskriterien definieren.
  • Monitoring, Fehlerwege und verantwortlichen Prozessowner festlegen.

Abgrenzung zur 3-Schritt-Methode

Dieser Beitrag prüft die Eignung eines bereits benannten Prozesses. Wenn ihr zunächst mögliche Anwendungsfälle im gesamten Unternehmen sammeln und priorisieren möchtet, nutzt die 3-Schritt-Methode zum Finden von Automatisierungspotenzialen.

Fazit: Ein guter Kandidat ist häufig, regelbasiert und stabil

Die 5-Punkte-Formel macht Automatisierungspotenziale schnell sichtbar, ohne vorschnell eine Technologie auszuwählen. Bewertet Wiederholung, Regeln, Daten, Systemwechsel und Stabilität. Ein hoher Wert ist der Start für eine genauere Analyse – nicht automatisch die Freigabe zur Umsetzung.

FAQ – Häufige Fragen

Reichen drei erfüllte Kriterien für die Umsetzung?

Sie reichen für eine vertiefte Prüfung. Vor der Umsetzung müssen Wirtschaftlichkeit, Datenschutz, technische Machbarkeit, Ausnahmen und Betriebsverantwortung bewertet werden.

Kann ein instabiler Prozess trotzdem automatisiert werden?

Teilweise. Häufig sollte er zuerst vereinfacht und standardisiert werden. Einzelne stabile Teilabschnitte können jedoch bereits automatisiert werden.

Sind Excel-Prozesse gute Kandidaten?

Oft ja, wenn Tabellen strukturiert, Verantwortlichkeiten klar und Änderungen kontrolliert sind. Chaotische Dateien ohne Datenstandard sollten zunächst bereinigt werden.

Braucht jeder Prozess eine API?

Eine dokumentierte Schnittstelle ist meist der stabilste Weg. Je nach System können auch Dateien, Datenbanken oder überwachte Postfächer genutzt werden – mit unterschiedlichen Risiken und Wartungsaufwänden.

Wann sollte ein Prozess bewusst manuell bleiben?

Bei sehr geringer Häufigkeit, hohem Einzelfallrisiko, ständiger Veränderung oder Entscheidungen, die überwiegend Empathie, Verhandlung und persönliche Verantwortung erfordern.

Besteht euer Prozess den 5-Punkte-Check?

Wir prüfen gemeinsam Regeln, Ausnahmen, Datenquellen und Systeme und zeigen, ob ein kleiner Pilot sinnvoll ist oder der Ablauf zuerst vereinfacht werden sollte.

Prozess auf Eignung prüfen

Mehr zu unseren Leistungen: Digitalisierung, Automatisierung und KI-Integration